Die Farben des Induviduums

von Al’Leu

Schon mit zwölf Jahren durfte sie ihren ersten Porträt-Kurs bei Bildhauer Karl Hänny besuchen. Als Dreizehnjährige bekam sie einen Ölfarbkasten geschenkt. Seit dieser Zeit wurde das Malen und Zeichnen zum Lebensmittelpunkt für Susanne Waldvogel Hürzeler Erb. Nach dem Handelsschulabschluss in Biel festigte sie ihr künstlerisches Können an  Kunstschulen und Akademien in Genf, Biel, Basel, London und Paris.

Unter anderem war sie Schülerin des weltberühmten, dem Kubismus nahe stehenden Malers Fernand Léger. Dieser förderte bei seinen Studenten den Mut zu starken und leuchtenden Farben.

Nach der Heirat malte Susanne Waldvogel Hürzeler Erb Kinderporträts. Neue Motive fand sie in der Basler Theaterszene. Auch die Fasnacht in dieser Stadt regte sie zu Werken mit grosser Ausdruckskraft an. 1969 siedelte Susanne Waldvogel Hürzeler Erb mit ihrem Mann nach Glattbrugg, wo unter anderem die Bilderserie Die Bösen entstand. Ab den 70er Jahren malte und zeichnete sie Porträts von Schriftstellern und Schriftstellerinnen. Neben den Bildern von Kurt Guggenheim, Golo Mann, den  Dadaisten Walter Mehring und Richard Hülsenbeck, entstanden auch solche von Kulturvermittlern,  wie  beispielsweise Theophil Maag, dem Verleger des Glattbrugger Stadtanzeigers und der 2013 verstorbenen Galeristin Erica Gubler. In  der Zeichen-Serie Zeitgenossen im Porträt lassen sich auch viele Namen von ZSV-Mitgliedern finden: Armin Bolliger, Barbara Egli, Alfred A. Häsler, August Guido Holstein, Elfriede Huber-Abrahamowitz, Ingrid Isermann, Al'Leu, Maria Lutz Gantenbein, Wolfgang Mildenberger, Elsbeth Putre-Wild, Peter Riesterer, Bruno Stephan Scherer, Fritz Senft, Walter Sorell, Otto Steiger, Margrit Traber und Ursula von Wiese. Dübendorf und Rüschlikon waren weitere Wohnorte der Künstlerin. Heute lebt und arbeitet sie in Wil.

Neben ihrem intensiven Schaffen engagierte sie sich über viele Jahre hinweg für die Erwachsenenbildung in verschiedenen Institutionen, wo sie ihr künstlerisches Wissen und Können weiter gab.

Das vorliegende Buch ist ein sorgfältig zusammengestellter Einblick in das enorme malerische und zeichnerische Werk, der 1926 in Bern geborenen Malerin. Sie erzählt bildbegleitend ihren persönlichen und künstlerischen Werdegang. Schreibt über den starken Einfluss der   Grossmutter, die ihre Kindheit prägte. Schildert die Lebenssitutation nach dem Tod ihres Vaters, der an den Folgen der Malaria, die er aus Sierra Leone heimbrachte, starb.

Susanne Waldvogel Hürzeler Erbs Zentralthema ist das  Aussehen und die optische Erscheinung des Menschen. Mit zeichnerischen und malerischen Techniken arbeitet sie das Einzigartige eines Individuums heraus. Sie dringt in jene Bereiche vor, zu denen die Fotografie keinen Zugang hat. Der Mensch wird nicht nur situativ abgebildet, sondern auch mittels Farbe, Linie, Licht und Schatten interpretiert und dargestellt. Die Mimik, in der sich die Psyche manifestiert, ist ihr  bildnerisches Zentralthema. Die Bilder von Susanne Waldvogel Hürzeler Erb zeichnen sich durch eine beeindruckende Darstellungsvielfalt und ein ausserordentliches Farbgefühl aus. Sie führen uns vor Augen, welche Bandbreite menschliche Emotionalität besitzt und wie sie künstlerisch umgesetzt werden kann.

Der Realismus von Susanne Waldvogel Hürzeler Erb ist nicht nur von einer hohen seismografischen Sensibilität für das Einmalige der Dargestellten durchdrungen, sondern wird  immer auch von einer geheimnisvollen expressiven Kraft begleitet.


Susanne Waldvogel Hürzeler Erb
SHE
Kunstbuch
202 Seiten
Zu beziehen bei:
Suzanne Waldvogel Hürzeler Erb
Zürcherstrasse 23
9500 Wil
www.suzanne-she.ch