Mit dem Buch Theophil Maag – Ein Zeitungsmacher aus Leidenschaft von Autor Dr. phil. Kurt Humbel startet die Edition LEU die neue Buchreihe Porträts aus Wirtschaft und Politik.

Für Theophil Maag, den Autor Dr. phil. Kurt Humbel und die Edition LEU ist das Erscheinen des heute vorgestellten Buches ein erfreulicher Anlass. Theophil Maag hält mit Hilfe des Historikers Dr. phil. Kurt Humbel sein Leben zwischen zwei Buchdeckeln zusammengefasst in den Händen. Und für die Edition LEU ist die vorliegende Publikation der Start für die neue Buchreihe: «Porträts aus Wirtschaft und Politik».

Theophil Maag ist für mich ein überzeugter und engagierter Verfechter der freien Presse. Sein 56-jähriges Wirken als Zeitungsmacher ist rekordverdächtig. Dies ist Grund genug, ihm den ersten Band unserer neuen Reihe zu widmen.

Der Historiker Dr. phil. Kurt Humbel hat die Jahrgänge 1955 - 2011 des „Gemeinde-Anzeigers“ und späteren „Stadt-Anzeigers“ Seite für Seite durchgesehen, um der Spur des unabhängigen Herausgebers Theophil Maag zu folgen.

Das Ergebnis ist eine vielschichtige Darstellung seiner Persönlichkeit. Theophil Maag hat sich im Lauf der Jahrzehnte zu vielen Themen geäussert. Die vorliegende Dokumentation formuliert eine persönliche und kritische Geschichte Opfikons  der letzten 60 Jahre ...

In einem Land wie der Schweiz, in der die Pressefreiheit gesetzlich nicht garantiert, sondern nur «gewährleistet» ist, bedeutet das, dass die Meinungsfreiheit ständig bedroht ist! Aktuell sind ja die Versuche Schweizer Komikern wie Massimo Rocchi und Birgit Steinegger Maulschellen anzulegen. Die «Meinungsfreiheit» ist trotz ihres schwammigen Charakters der entscheidende Grundwertfür eine Demokratie, die diesen Namen auch verdient. Für ihren Erhalt  muss daher täglich gekämpft werden. Gegenwärtig erscheint dies zunehmend als frommer Wunsch, da das politische Engagement breiter Kreise immer mehr schwindet. Der Staat versucht ständig,seine Macht mit einer Unzahl von «vernünftigen» Begründungen auszubauen. Begriffe wie «Eigenverantwortung» und «Initiative» stehen im krassen Widerspruch zu der «Ich-will-rundum-versorgt-werden-Mentalität». Die Medien sind im Schraubstock von wachsenden Wirschafts- und Konsuminteressen eingespannt und verlieren dadurch immer mehr ihre Unabhängigkeit. Konzentrationsbestrebungen und der daraus resultierende Personalabbau bedroht die Autonomie der Medienschaffenden zusätzlich. Aber gehen wir wieder zurück zu unserem Anlass!

Theophil Maag hat in seinem Leben genug erfahren, welcher Kampfkraft gefordert wird, wenn man ein unabhängiger Geist bleiben will. Bei all diesen Bemühungen, kein Opfer der Umstände zu sein, sondern selbstbestimmend und zielgerichtet zu handeln, schleicht sich doch irgendwann die bange Frage ins Bewusstsein: Was bleibt eigentlich von meinem Leben der Nachwelt in Erinnerung? Haben  meine Ideen und Ideale eine nachhaltige Wirkung? Oder waren die Existenzkämpfe, die meinen Werdegang begleiteten, gar nur mehr oder weniger schlechte Tagträume?

Die Lebenswirklichkeit ist wie ein Moor: Alles wird hinuntergezogen in den Morast des Vergessens! Der Gnadenlosigkeit des Vergänglichen kann man aber ein Bein stellen. Zum Beispiel mit einer Biografie! Es gibt sogar Zeitgenossen, die mit voller Überzeugung behaupten, dass ein Leben erst eines sei, wenn darüber ein Buch vorliege. Dies ist eine Behauptung. Lassen wir sie so stehen! Eines ist aber sicher, Biografien sind entgegen anderslautenden Meinungen keine Produkte reiner Eitelkeit, sondern durchaus wichtige Dokumente der Zeitgeschichte. Dies wurde schon am Beginn des 19. Jahrhundertsvon Wilhelm Dilthey erkannt. Dilthey war ein deutscher Theologe, Philosoph, Psychologe und Pädagoge. Als Begründer der Geisteswissenschaften versuchte er die Eigengesetzlichkeit des menschlichen Geisteslebens zu verstehenund formulierte seine Forschungsmethoden wissenschaftstheoretisch aus und entwickelte eine Weltanschauungslehre. Wilhelm Dilthey sah in der Biographie nicht nur die höchste Form der Lebensdeutung, sondern begriff sie vor allem als Grundlage für das geschichtliche Sehen. Die menschliche Seite der Geschichte kann nur nachvollzogen werden am Einzelschicksal. Im Gegensatz zur fiktiven Literatur schildert die Biografie Verläufe von realen Lebensprozessen. Der französische Philosoph Georges Gusdorf sieht in der Biografie nicht nur die Selbstentdeckung des abendländischen Menschen. Für ihn ist jede einzelne Biografie der Versuch, die Einheit des beschriebenen Lebens wieder herzustellen, ja dieses Leben durch seine Darstellung zu retten.

Aber eine Biographie ist auch ein Erkenntnisprozess, für den Dargestellten oder die Dargestellte. Sie fordert von den Beschriebenen, ihr ganzes Leben Revue passieren zu lassen, die Ereignisse darin zu sortieren, Wichtiges und Unwichtiges gegeneinander abzuwägen  und auch jene  Menschen wieder ins Bewusstsein zu rufen die das eigene Leben begleitet, beeinflusst, gefördert und geprägt haben. Sie ist aber auch Gelegenheit, darüber nachzudenken, was in meinem Leben Zufall war, was mehr oder weniger Absicht und was reine Planung. Was kann man in meinem Werdegang als Fügung verstehen? Wo war Glück oder Unglück im Spiel? Wie bin ich damit umgegangen? Für den Verfasser einer Biografie ist die Formfrage eng mit dem Wahrheitsproblem verbunden. Das Verfassen einer Biografie ist immer ein Schreibprozess in enger Tuchfühlung mit den fragmentarischen Charakter des menschlichen Erinnerungsvermögens. Für den englischen Philosophen Roy Pascal ist eine Biografie dann gültig, wenn sich in ihr ein ästhetischer Zusammenklang von Ereignissen, Überlegungen, Stil und Charakter ergibt. Eine überzeugende Biografie zeigt den Dargestellten oder die Dargestellte. aus einer mspäteren Perspektive, die bemüht ist, einen Lebensverlauf im Sinne  eines «organischen Prinzips» wieder zu erschaffen und so aus einem zwar immer unzulänglichen, oft auch geschönten, aber einheitlich wertenden Standpunkt eine in sich ruhende Geschichte zu schreiben, welche alle qualitativen Ansprüche eines eigenständigen Kunstwerkes besitzt. Dies ist dem Historiker Dr. phil. Kurt Humbel auf bewundernswerte Art gelungen.

Die optische Qualität des Bandes verdanken wir dem erfahrenen und vor allem auch nervenstarken Gestalter und Grafiker Res Perrot.

Al'Leu