Diener, Hansjörg Dichtung als Verwandlung

Diener, Hansjörg Dichtung als Verwandlung

Dichtung als Verwandlung

  • Wissenschaft
  • 262 Seiten
  • Erschienen:
  • Taschenbuch mit Klappen
  • ISBN 3-85667-019-X
  • CHF 28.00
  • EUR 23.40

Ihn zu lesen ist schwierig – und faszinierend zugleich. Carl Einstein ist ein Autor, der viel voraussetzt und viel Gedankenarbeit von seiten des Lesers / der Leserin fordert.

Dies ist mit ein Grund, weshalb der einst so bekannte Schriftsteller und Kunstkritiker bereits in den dreissiger Jahren und erst recht nach 1945 der Vergessenheit zum Opfer fiel; nur noch von ganz wenigen gelesen und als Geheimtipp an der Literaturbörse gehandelt wurde.

Selbst als in den sechziger Jahren, ausgelöst durch die Marbacher Expressionismusausstellung, eine Renaissance dieser literarischen Epoche einsetzte, wurde Carl Einstein, der selbst in Expressionistenkreisen, wo er zwar als bewunderter und gefürchteter Kopf galt, noch ein Aussenseiter blieb, nur am Rande wahrgenommen.

Auch die Forschung setzte sich kaum mit seinem Werk auseinander. Das liegt an Carl Einsteins Art zu schreiben: Seine Arbeiten, zuvorderst die Poetischen, in geringerem Masse auch die kunstkritischen, sind nur schwer zu verstehen, es sind hermetische Werke. Sie können nicht wie viele Schriften seiner Zeitgenossen einfach gelesen werden, sie müssen erlesen werden.??Die Hermetik von Carl Einsteins Werk hat Methode. In einem Essay über den englischen Roman Vatek nennt er das Gesetz, dem auch sein Schreiben gehorcht:

"Eines ihrer Gesetze: man gebe konzentrierte Resultate – keine Wege."

Carl Einstein gibt in seinem Werk immer nur Resultate, und das macht ihre Schwierigkeit aus. Den Weg bis dahin muss der Leser selbst gehen, und das ist das Faszinierende bei der Lektüre seiner Schriften.

Carl Einsteins Methode schreibt seinem Interpreten das Vorgehen vor. Seine Aufgabe ist es, die Wege von Einsteins Denken und Dichten nachzuzeichnen, um so das Verständnis seines Werkes zu erleichtern. Dies ist um so mehr vonnöten, als sein Werk, wie kaum ein anderes der Avantgarde seiner Zeit, Ausdruck einer Kunsttheorie war. Diese Kunsttheorie entwickelte Carl Einstein in intensiver Auseinandersetzung mit dem malerischen Kubismus, der seinen ästhetischen Vorstellungen in fast idealer Weise entsprach.

Die Studie Dichtung als Verwandlung von Hansjörg Diener beschreitet daher eine deduktive Methode und versucht in einem ersten Teil die Grundlagen dieser das gesamte Werk begleitenden und ihr unterliegenden Kunsttheorie aufzuzeigen und zu diskutieren, um darauf in einem zweiten Teil sein berühmtestes Buch, den Roman Bebuquin, auf diesem theoretischen Hintergrund zu analysieren. Dabei wird der Kontext, wie ihn Friedrich Schlegel, der Mentor der modernen Literturwissenschaft, exemplarisch bestimmt hat, miteinbezogen.

Verweise auf Autoren und Kunstrichtungen, zu denen Carl Einsteins Werk in bewusster oder unbewusster Beziehung stand, eröffnen in der Studie Dichtung als Verwandlung von Hansjörg Diener geistesgeschichtliche Perspektiven, die ein beim ersten Anblick ausserhalb aller Ordnung stehendes Werk in ein anderes Licht rücken und es, bei aller Originalität, in grössere Zusammenhänge stellen.

Wir von der Edition LEU hoffen, mit der Veröffentlichung von Hansjörg Dieners Studie Dichtung als Verwandlung einen Beitrag zu leisten, um ein Oeuvre, das, zu Beginn dieses Jahrhunderts entstanden, zu Fragen der Ästhetik und der Metaphysik der Kunst Bedeutendes geleistet und für die künstlerisch-literarische Avantgarde vom Beginn der expressionistischen Kulturrevolution an einige der originellsten Positionen markiert und experimentell ausgebaut hat, besser verstehen und würdigen zu können ...